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Und so bleibts denn halter beim alten von Detlev von Liliencron

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Detlev von Liliencron
Und so bleibts denn halter beim alten


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     Dichter . L/P . Detlev von Liliencron


Und so bleibts denn halter beim alten

(Ein Scherz.)

Nun bimmelt und bammelt das Altjahr aus,
Das neue kommt wie befohlen,
Es sitzen die einen beim Karpfenschmaus,
Die andern bei Krapfen und Bowlen.

Ich hocke allein im Kämmerlein
Und bete in Sack und Aschen,
Mich des vergangnen Jahres rein
Von allen Sünden zu waschen.

Nie wieder nehm ich die Würfel zur Hand,
Nie die verfluchten Karten,
Zuviel verlor ich in trente et quarante,
Und meine Gläubiger warten.

Zwar, so ein kleines unschuldiges Jeu
Ist wirklich kein böses Exempel,
Es spannt a bisl die Stirn in die Höh,
Tusch Tugend, Tante und Tempel!

Ein Whistchen, etwa nach dem Dessert,
Ist auch schwer abzuweisen,
Vor allem aber muß ich sehr
Die lustige Sieben preisen.

So wirds im neuen Jahre denn grad,
Wie wirs im alten gehalten,
Zum Anachoreten bin ich zu schad,
Und so bleibts halter beim alten.

Doch jetzt der Wein, das Bier, der Likör:
Weg, weg den Blick vom Spunde!
Es geht ein Kameel durch ein Nadelöhr,
Eh ein Glas mir wieder zum Munde.

Zwar, so ein Weinchen zu seiner Zeit
In wackrer Frühstücksrunde,
Es geht wohl kaum die Bescheidenheit
Über solche selige Stunde.

Und dauerts länger, nu ja, na ja,
Man kann nicht immer gleich rennen,
Ein Gläschen Xeres oder Malaga
Wird die Seele nicht gleich verbrennen.

Und dauerts noch länger, nu ja, na ja,
Dann wirds ein Zechgelage,
Das sind die lieben Specialia,
Das passiert nicht alle Tage.

"Lieb Bruder, trink wieder, und schenk wieder ein,"
Das hab ich im Uhland gelesen,
Von je ist mir Uhland, und mir nicht allein,
Der liebsten einer gewesen.

Verzeiht, ich wich vom Thema ab,
Doch bin ich ins Reimen gekommen,
Kaum kann ich zügeln den Versetrab,
Sie kommen wie Fischlein geschwommen.

Zwar ist die Gangart Herrn Heines Latein,
Ich bin sein geringster Schüler,
Er brachte Stoff in die Flaschen hinein,
Ich bin nur Flaschenspüler.

Vergebung, das hatte ich nicht bezweckt,
Mit heinischen Strophen zu prunken.
Doch weiter! Am herrlichsten schmeckt mir der Sekt,
In göttlicher Kühle getrunken.

So wirds im neuen Jahre denn grad
Wie wirs im alten gehalten,
Zum Anachoreten bin ich zu schad,
Und so bleibts denn halter beim alten.

Zum Schluß, zum Schluß ach, das schöne Geschlecht,
Ja, das sei auf immer gemieden!
Ihr seid von heut an, was ihr auch sprecht,
Für mich nur Karyatiden.

Ihr habt zuviel mir angethan
Mit euern Gewogenheiten,
Mir sprühte zu oft der Herzensspahn
Von euern Abscheulichkeiten.

Und doch, und doch ach, es ist zu nett,
So ein schmiegsames, biegsames Dirnlein,
Ein Stelldichein, ein zartes Billet,
Leicht wehende Häärchen ums Stirnlein.

Und bracht' ihr die Fee als Geburtstagsgeschenk
Etwas Geist mit auf den Schwingen,
Das ist dann der Goldgriff am Dolchgehenk,
Und das blitzende Messer mag springen!

Ich liebe ein wenig das Sultantum,
Die Liste hat Herr Leporello,
Ich flattre gern von Blume zu Blum,
Auch kenn' ich den Herrn Othello.

So wirds im neuen Jahre denn grad
Wie wirs im alten gehalten,
Zum Anachoreten bin ich zu schad,
Drum bleibts eben halter beim alten.

Nicht jedem dies Geschreibsel frommt,
Es sträuben sich manchem die Haare,
Doch wenn man in dies Versmaß kommt,
Dann schreibt man zehntausend Jahre.

Nun aber sinds der Reime genug,
Das ist ja ein Reim-Bombardieren,
Und weil ihr schon schnarcht wie ein Baßgeigenzug,
So will ich es auch probieren.

Ich setze zuerst eine Verszeile aus,
Des Tatterichs mich zu entwöhnen,
v - v - v - v - ,
Kußfinger den Holden und Schönen!

v - v - v - v - ,
Für mich war das alte kein Reujahr,
v - v - v - v - ,
Den fleißigen wünsch' ich ein Heujahr.

v - v - v - v - ,
v - v - v Freujahr,
v - v - v - v - ,
Gute Nacht, und fröhliches Neujahr!









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