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Am Neujahrsmorgen 1858 von Friedrich Bodenstedt

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Friedrich Bodenstedt
Am Neujahrsmorgen 1858


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     Dichter . A/F . Friedrich Bodenstedt


Am Neujahrsmorgen 1858

Feierlich Geläut schallt aus der Ferne,
Auf den weißen Dächern blitzt die Sonne
Und am Fenster blitzen Eisesblumen.
Heimlich vor der Thür des trauten Zimmers
Drin ich sinnend auf und nieder wandle,
Hör' ich Stimmen, süße Kinderstimmen,
Und es flüstert eine zu der andern:
"Geh' voran, lieb' Schwesterchen, ich folge."
"Nein, geh' Du voran, Du bist die Aelt're." -
Leise öffnet sich die Thüre, leise
Treten ein zwei blühend lockige Mägdlein,
Holde Kinder, meine eig'nen Kinder.
Jedes hält ein Blättchen in den Händen,
Reicht es mir und sagt ein kindlich Sprüchlein,
Glück und Heil zum neuen Jahr mir wünschend.
Auf den Blättchen steht, was sie mir wünschen,
Steht in großen, ungelenken Zügen
Von der Kinder kleiner Hand geschrieben,
Erstes Pröbchen ihrer Schreibekünste.
Dankend küß' ich meine herzigen Kinder;
In mein Auge schleicht sich eine Thräne,
Halb vor Freude wein' ich, halb vor Wehmuth,
Ernst gedenkend meiner eigenen Kindheit,
Da ich selbst zum Erstenmale hintrat
Mit beschrieb'nem Blättchen vor den Vater,
(Der schon längst im kühlen Grabe schlummert) -
Glück und Heil zum neuen Jahr ihm wünschend.
Unerfüllt, ach! blieben meine Wünsche.









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Gedicht zu Neujahr: "Am Neujahrsmorgen 1858" von Friedrich Bodenstedt